Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund aktiver Demokraten e.V. Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund aktiver Demokraten e.V.

Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund aktiver Demokraten e.V. - Teilnahme an der 18. Jugendbegegnung des Deutschen Bundestages

02.02.2014

Teilnahme an der 18. Jugendbegegnung des Deutschen Bundestages

Jedes Jahr lädt der Deutsche Bundestag 80 Jugendliche aus verschiedenen Ländern zu einer internationalen Jugendbegegnung ein. Dabei wird immer ein anderer Schwerpunkt aus dem Themenkomplex des nationalsozialistischen Vernichtungskrieges behandelt. Die internationale Gruppe Jugendlicher erarbeitet dabei dieses Thema, spricht mit Wissenschaftlern und Zeitzeugen und besucht auch die Orte der Verbrechen. Dieses Jahr durfte auch das Reichsbanner zwei Teilnehmer nominieren, diese waren die aktiven Mitglieder Ercan Celik und Florian Kern.

Das Thema der diesjährigen Jugendbegegnung war die Blockade von Leningrad (heute St. Petersburg) und der Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion. Die Gruppe traf sich am 21. Januar im Berliner Paul-Löbe-Haus um sich zu konstituieren und die nächsten Tage zu besprechen. Am darauffolgenden Tag brach die Gruppe nach St. Petersburg auf, wo sie bis zu ihrer Rückreise am 26.01 viele beeindruckende Erlebnisse haben sollte. Am 27.01 nahmen die Jugendlichen an der Gedenkveranstaltung des Bundestages teil, wo sie nicht auf der Besuchertribüne platz nehmen mussten, sondern neben den Abgeordneten im Plenarsaal die Gedenkveranstaltung miterlebten.

"Die Tage in St. Petersburg waren bei bis zu -25 Grad Celsius nicht nur sehr kalt, sondern auch beeindruckend und lehrreich. Es gab so viele Eindrücke, die man kaum in Worte fassen kann, dass es sehr schwer Fällt hier einen Punkt als besonders beeindruckend anzuführen. Außerdem wäre es den vielen Schicksalen von Menschen die ihr Leben so sinnlos verloren haben ungerecht. Die Zahl der Opfer der Blockade von Leningrad ist kaum vorstellbar. Die Schätzungen der Wissenschaftler liegen in einer Größenordnung von über 600.000 Menschen. Von diesen ungeheuren Opfern liegen allein 400.000 auf einem einzigen Friedhof in Massengräbern. Es fällt sehr schwer, sich solch eine Zahl an Opfern auf einem Feld, welches nicht viel größer als ein paar Fußballfelder ist, vorzustellen. Jedoch wird in Russland nicht von Opfern gesprochen, denn für die Russen sind die Menschen, die dort gestorben sind, keine Opfer des Krieges, sondern Helden. So wird auch schon den Kleinsten erklärt, dass die Menschen die Stadt heroisch verteidigt haben und dabei starben. Ob sie das wollten, ob sie nicht viel lieber geflohen wären, wie es dann auch viele über den zugefrorenen See taten, wird nicht erwähnt. Die Art wie die Russen den Opfern des Krieges gedenken unterscheidet sich nicht nur in dem Punkt der Helden zu unserem. So stand zum Beispiel im Moskauer Siegespark früher ein Krematorium in dem die Verstorbenen verbrannt wurden, deren Asche in den benachbarten See gestreut wurde. Das Krematorium gibt es heute nicht mehr, jedoch den See. Dieser wird auch als Gedenkstätte betrachtet, aber dass nebenan ein Sushi-Restaurant und ein Vergnügungspark ist, erschien uns befremdlich. Durch die Belagerung war die Bevölkerung Leningrads auch zeitweise von jeglicher Versorgung abgeschnitten, so dass die komplette Verpflegung, die eine Person pro Tag bekam, bei 125 Gramm Brot lag. Diese eh schon klägliche Menge war aber kein richtiges Brot, da dafür nicht genug Rohstoffe vorhanden waren, sondern hier wurde genommen was gerade da war. So gab es Zeitweise auch nur ein "Brot" welches aus Sägespänen und Kleister bestand. Ein überaus beeindruckendes Erlebnis waren die Gespräche mit den Zeitzeugen, die wie der Referent bei der Gedenkveranstaltung im Bundestag Daniil Granin, keinen Groll den Deutschen gegenüber hegen, sondern mit ihnen zusammen dafür arbeiten wollen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt.

Wir dürfen nicht zulassen, dass solch schreckliches Leid noch einmal passiert. Da wir bald keine Zeitzeugen mehr haben werden, die uns von jener Zeit berichten können, ist es umso wichtiger, junge Menschen zu sensibilisieren, damit sie nicht nur daran erinnern können, sondern sich auch aktiv für eine friedliche Gesellschaft einsetzen."

Ercan Celik und Florian Kern

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