Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund aktiver Demokraten e.V. Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund aktiver Demokraten e.V.

Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund aktiver Demokraten e.V. - 95 Jahre Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold

25.02.2019
Festveranstaltung

95 Jahre Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold

Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold erinnerte im Rahmen einer Festveranstaltung in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand (GDW) an seinen 95. Gründungstag. Bei der Jubiläumsfeier würdigte Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann das demokratische Vermächtnis des Reichsbanners. Vor rund 200 Gästen forderte er von der Zivilgesellschaft, sich aktiv für die Demokratie einzusetzen. Am 22. Februar 1924 wurde die Organisation in Magdeburg gegründet.

In einer bewegenden Rede warnte der Bundestagsvizepräsident vor den Gefahren des aufkommenden Populismus und Nationalismus. „Die Demokratien des Westens kommen unter Druck. Und zwar gleichzeitig von innen und von außen. Von außen durch den Nationalismus, von innen durch den Populismus. Überall in der Welt greift nationalistisches Denken um sich“, so Oppermann. Und weiter: „Dieser Egoismus der Nationen kann kein Modell für das gedeihliche und friedliche Zusammenleben der Völker im 21. Jahrhundert sein.“ Noch nie habe Nationalismus zum Wohle der Menschen beigetragen. „Und deshalb lehnen wir Sozialdemokraten jede Form von Nationalismus mit tiefer Überzeugung ab“, betonte der Bundestagsvizepräsident.

Demokratie verteidigen 

Sowohl in der Geschichte als auch in der Gegenwart ziele die Strategie der antidemokratischen Kräfte darauf ab, demokratische Institutionen zu delegitimieren und zu schwächen. Davon betroffen seien insbesondere Parteien, Wissenschaft und Medien. „Wir dürfen den Raum der Demokratie niemals den Feinden der Demokratie überlassen!“, forderte der Bundestagsvizepräsident. Er unterstrich: „Demokratie muss Tag für Tag neu erarbeitet mit Leben erfüllt und verteidigt werden. Und dazu passt das große Vermächtnis des Reichsbanners.“

In seiner Begrüßung mahnte der Bundesvorsitzende des Reichsbanners MdB Johannes Kahrs: „Der Einsatz für Demokratie und gegen Antisemitismus geht uns in Deutschland alle an. Es ist nicht nur ein antiquarisches Interesse, das uns heute als Angehörige des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold verbindet. Es ist auch unser Ziel, für demokratisches und republikanisches Denken zu werben.“ Dazu gehöre auch die Erinnerung an jene Menschen, die im Reichsbanner gegen den aufkommenden Nationalsozialismus kämpften. „In der Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Deutscher Widerstand konnten wir diese Aktivitäten erheblich ausweiten“, so Kahrs.

 Schaudepot erinnert an das Reichsbanner

Über das „Schaudepot“ als neuen Ort der Erinnerung an das Reichsbanner sprach der Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand Professor Dr. Johannes Tuchel in seiner Rede. Ausdrücklich bedankte er sich beim Landesverband Hamburg des Reichsbanners, der seine große Sammlung als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt habe. Der neue Ausstellungsraum biete umfassende analoge und digitale Informationsangebote. Sie seien das Ergebnis einer aufwändigen Recherche- und Forschungsarbeit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der GDW. Das Schaudepot des Reichsbanners kann in der Gedenkstätte vorerst immer dienstags und samstags von 14.00 Uhr bis 18.00 Uhr besichtigt werden. Am 25. April 2019 wird das Schaudepot offiziell der Öffentlichkeit übergeben.

Fahnenübergabe und Nationalhymne

Im Rahmen eines feierlichen Zeremoniells überreichte der Bundesvorsitzende den Landesverbänden ihre neuen Verbandsfahnen, die als äußeres Zeichen die Überzeugungen des Reichsbanners symbolisieren. Mit der Nationalhymne endete die Veranstaltung.

Historischer Hintergrund
Am 22. Februar 1924 wurde das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold als parteiübergreifende Organisation zum Schutz Weimarer Republik in Magdeburg gegründet. Der Gründung vorausgegangen waren schwere politische Ausschreitungen. Insbesondere Sozialdemokraten,  Mitglieder der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) und der Deutschen Zentrumspartei setzten sich fortan in dem Verband für den Erhalt der Republik und die Weimarer Verfassung ein. Bereits nach kurzer Zeit entwickelte sich das Reichsbanner, dem insbesondere ehemalige Soldaten des Ersten Weltkrieges angehörten, zu einer Massenorganisation. Trotz brutaler Angriffe aus nationalsozialistischen, kommunistischen und monarchistischen Lagern hielt der Verband bis zu seinem Verbot an seinem Ziel fest, eine demokratische und republikanische Staatsgesinnung in der Bevölkerung zu etablieren. Heute leistet das im Jahr 1953 wiedergegründete Reichsbanner politisch-historische Bildungsarbeit. Die Bundesgeschäftsstelle des Vereins hat ihren Sitz in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand.

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