Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund aktiver Demokraten e.V. Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund aktiver Demokraten e.V.

Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund aktiver Demokraten e.V. - Volksentscheid

Volksentscheid gegen die Fürstenabfindung

Die Liga für Menschenrechte beantragte 1926 im Einverständnis mit den Gewerkschaften, der SPD und KPD ein Volksbegehren für die entschädigungslose Enteignung der Fürsten. 12,5 Millionen Einzeichnungen führten zum Volksentscheid im Juni 1926. Einer starken Wählermobilisierung auf der Linken stand die Ablehnung der bürgerlichen Parteien im Verein mit den Kirchen beider Konfessionen gegenüber. Das Schlagwort „Republik oder Monarchie“ verdeutlichte den Konflikt zwischen den Republikanern, die nach sozialer Gerechtigkeit strebten, und den Konservativen, die an herkömmlichen sozialen Privilegien festhielten.

Die Deutschnationale Volkspartei führte einen maßlosen Propagandafeldzug, mit stark antisemitischen Zügen das Gespenst des Bolschewismus beschwörend. Reichspräsident Paul von Hindenburg verletzte seine Pflicht zur Zurückhaltung in politischen Auseinandersetzungen mit der Erklärung, das Volksbegehren beseitige den Rechtsstaat. Die Polarisierung im Abstimmungskampf ging weit über den eigentlichen Anlass hinaus. Trotz vielfältiger Behinderungen vor allem in den ländlichen Regionen Ostpreußens stimmten 14,5 Millionen für das Gesetz. Doch damit waren die notwendigen 50 % der wahlberechtigten Stimmen nicht erreicht. Es blieb künftig Sache der Länder, Abfindungsverträge mit den Fürstenhäusern auszuhandeln.