Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund aktiver Demokraten e.V. Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund aktiver Demokraten e.V.

Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund aktiver Demokraten e.V. - Gefährdung

Gefährdung der Weimarer Republik

Vom ersten Tag ihres Bestehens an war die Weimarer Republik starken Gefährdungen ausgesetzt. Monarchistische und völkisch- nationalistische Kräfte bekämpften den aus Kriegsniederlage und revolutionärer Erhebung hervorgegangenen neuen Staat mit Mord und Putschversuchen. Schon 1919 waren führende Kräfte der sozialistischen Linken wie Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, Kurt Eisner und Leo Jogiches, Hugo Haase und Heinrich Dorrenbach, der Führer der Volksmarinedivision, ermordet worden. 1921 wurde der bayerische USPD-Landtagsabgeordnete Karl Gareis erschossen. Erhard Auer, der Vorsitzende der bayerischen SPD, entging nur knapp einem Attentat, ebenso Philipp Scheidemann, der erste Reichskanzler der Republik.

Der Zentrumspolitiker Matthias Erzberger musste, als „Vaterlandsverräter“ diffamiert, sein Leben lassen, weil er für die Annahme des Versailler Vertrages eingetreten war und als Finanzminister der Republik eine Besteuerung der Besitzenden durchgesetzt hatte. 1922 wurde Außenminister Walther Rathenau ein Opfer wüster völkisch-nationaler Hetze. Im März 1920 holten reaktionäre Militärs mit dem Kapp-Putsch zu ihrem ersten großen Schlag aus. Der Generalstreik der Arbeiterschaft rettete die junge Republik. Anschließende Arbeiteraufstände im Ruhrgebiet im März/April 1920 endeten mit standrechtlichen Massenerschießungen. Die Putschisten dagegen trafen auf milde Richter, ihr Hoch- und Landesverrat wurde bald amnestiert. Hier zeigte sich ein Geburtsfehler des neuen Staates, der die alten Machteliten im Justizapparat, in Militär und staatlicher Verwaltung nicht angetastet hatte.

Kommunistische Aufstandsversuche in Mitteldeutschland und in Hamburg im März 1921 und im Oktober 1923 zielten ebenso auf eine Beseitigung des parlamentarischen Systems von Weimar wie Diktaturpläne der Reichswehr, Separatistenbestrebungen im Rheinland, Sonderwege des Freistaates Bayern und schließlich die rechten Putschversuche des Majors Buchrucker in Küstrin am 1. Oktober und des Gefreiten Hitler in München am 8./9. November im Krisenjahr 1923. Die anhaltenden Attacken bewogen schließlich die SPD als stärkste staatstragende Partei jener Jahre, von dem Grundsatz, das Gewaltmonopol gebühre ausschließlich dem Staat, insofern abzugehen, als sie der Gründung einer Republikschutzorganisation zustimmte. War der Staat zeitweise selbst nicht willens oder in der Lage, sich zu schützen, mussten eben Kräfte mobilisiert werden, die diese Aufgabe mittrugen.