Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund aktiver Demokraten e.V. Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund aktiver Demokraten e.V.

Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund aktiver Demokraten e.V. - Persönlichkeiten

Ernst Wille

(geboren 20. August 1894 Groß-Ottersleben - gestorben 27. Mai 1944 Konzentrationslager Neuengamme)

Portrait Ernst Wille
Ernst Wille

Der kaufmännische Angestellte Ernst Wille kehrt erst 1920 aus der Kriegsgefangenschaft in seine bei Magdeburg gelegene Heimatstadt Groß-Ottersleben zurück, wo er Vorsitzender der SPD wird. 1924 gehört er zu den Gründungsvätern des Reichsbanners und übernimmt später den Vorsitz des Gaus Magdeburg-Anhalt. Anlässlich einer Wahlkampfveranstaltung Hitlers in Magdeburg im Oktober 1932 soll es von Seiten des Reichsbanners unter Federführung von Wille Vorbereitungen zu einem Attentat geben, das jedoch gescheitert. Ernst Wille arbeitet und wohnt mit seiner Ehefrau in dem 1928 angekauften Bundeshaus des Reichsbanners, Mitten in der Magdeburger Altstadt gelegen.

Am 11. März 1933 stürmt die SA das Bundeshaus und besetzt es. Wie viele Funktionäre anderer im Haus ansässigen Organisationen der Arbeiterbewegung wird Ernst Wille hier von der SA zusammengeschlagen und später in das reichsbannereigene Stadion „Neue Welt“ gebracht, wo ein Gefangenenlager eingerichtet wird. Nach seiner Freilassung pachtet er in der Magdeburger Altstadt eine Gaststätte, die zum Anlaufpunkt für politisch Bedrängte wird. Im Bundeshaus des Reichsbanners richtet die Gestapo ihre Magdeburger Leitstelle ein.

Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges im September 1939 nimmt die Gestapo Ernst Wille in „Schutzhaft“ und hält ihn bis April 1943 im Konzentration Buchenwald fest. Acht Monate nach der Haftentlassung von einer Nachbarin mit Hinweis auf den Attentatsversuch von 1932 denunziert, nimmt die Gestapo ihn erneut fest und misshandelt ihn schwer. Pläne seiner zahlreichen Familienangehörigen, ihn durch Bestechung freizukaufen, lassen sich nicht mehr realisieren: Ernst Wille wird in das Konzentrationslager Neuengamme überführt, wo er wenige Wochen später stirbt – angeblich an einer Lungenentzündung.

Landfriedensbruch
Verfassungsfeier