Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund aktiver Demokraten e.V. Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund aktiver Demokraten e.V.

Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund aktiver Demokraten e.V. - Gedenken an Julius Leber

26.01.2018

Gedenken an Julius Leber

„Julius Leber ist unter den vielen Lübecker Opfern des NS-Regimes fraglos einer der bedeutendsten Widerstandskämpfer. Er wirkte weit über Lübeck hinaus. Und er hätte nach 1945 eine Rolle spielen können wie sonst wohl nur noch Willy Brandt“, mahnte Schenkenberger vor rund 40 Zuhörern auf dem Ehrenfriedhof in Lübeck. Er erinnerte in seiner Rede mit einem prominenten Leber-Zitat an dessen unmissverständliche Haltung im Jahr 1932, kurz vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten: „Mit Politikern debattiert man. Gegen Bandenhäuptlinge und Mordanstifter setzt man die Machtmittel des Staates ein. Und eine Staatsgewalt, die mit politischen Verbrechern darüber debattiert, ob sie recht oder unrecht haben, darf nicht erwarten, dass sie sehr viel Respekt genießt“. Julius Leber sei es stets um eine „Menschheitszukunft“ gegangen, die ein Leben in Frieden und Freiheit ermögliche, um eine republikanische Verfassung, die es auch weiterhin zu schützen gelte.

Heute, so Jan Schenkenberger weiter, sei mit der AfD eine Situation entstanden, in der eine Partei es sich zur Aufgabe gemacht habe, Zwietracht und Misstrauen zu säen. Gegen den Staat, gegen seine Institutionen, gegen Engagement in Politik und Zivilgesellschaft. Es sei nun eine entscheidende Herausforderung, das Vertrauen in die demokratische Ordnung zu schützen und wiederherzustellen. Dieses Ziel habe auch Julius Leber bereits 1924 in der Lübecker Bürgerschaft erklärt.

Julius Leber war Mitglied des Reichsbanners und sollte nach einem gelungenen Attentat auf Hitler Reichskanzler oder Innenminister werden. Ab 1921 Chefredakteur des sozialdemokratischen "Lübecker Volksboten", wurde er 1924 für die SPD in den Reichstag gewählt, dem er als wehrpolitischer Fraktionssprecher bis 1933 angehörte. 1933 verhaftet, kam Leber erst im Sommer 1937 aus dem KZ Sachsenhausen frei. Er fristete sein Leben in Berlin als selbständiger Kohlenhändler, suchte jedoch bald wieder Verbindung zu seinen sozialdemokratischen Freunden und fand später zum Kreisauer Kreis. Er wurde am 5. Juli 1944 aufgrund einer Denunziation eines Gestapo-Spitzels verhaftet, am 20. Oktober 1944 durch den Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 5. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee ermordet.

Insgesamt stieß die Gedenkveranstaltung in diesem Jahr auf eine weitaus größere Resonanz als bisher. So befanden sich unter den Gästen die Lübecker Landtagsabgeordneten Kerstin Metzner, Thomas Rother und Wolfgang Baasch sowie die ehemalige Lübecker Kultursenatorin Annette Borns. Erstmals nahm mit dem Fraktionsgeschäftsführer der Freien Wähler in der Lübecker Bürgerschaft auch ein Vertreter anderer Parteien teil. Auch die Gedenkstätte Ahrensbök, ein deutsch-türkischer Kulturverein, ver.di und die GdP schickten Vertreter.

Zurück zum Archiv 2018