Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund aktiver Demokraten e.V. Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund aktiver Demokraten e.V.

Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund aktiver Demokraten e.V. - Reichsbanner gedenkt Kurt Schumacher

Archiv 2017

21.08.2017

Reichsbanner gedenkt Kurt Schumacher

Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold gedachte aus Anlass seines 65. Todestags am 20. August 2017 des ehemaligen SPD-Vorsitzenden und Reichsbanner-Mitglieds Kurt Schumacher. Bei dem vom SPD-Stadtverband Hannover veranstalteten Gedenkakt auf dem Stadtfriedhof Ricklingen würdigten Vizekanzler Sigmar Gabriel, der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil und der Hannoveraner Oberbürgermeister, Stefan Schostok, Schumacher als bedeutenden Deutschen, großen Sozialdemokraten und großen Patrioten. Neben dem Reichsbanner legte auch die Kurt-Schumacher-Gesellschaft einen Ehrenkranz nieder.

Die Geschichte Kurt Schumachers ist tief mit der Geschichte der Sozialdemokratie und dem Kampf für die Demokratie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verbunden. Mitglied in der SPD wurde er 1918. Schon früh begann Schumacher, sich sowohl mit Kommunisten als auch Nationalsozialisten, die er beide entschieden ablehnte, auseinanderzusetzen. So wurde er bereits 1924 – im Gründungsjahr des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold – zum Vorsitzenden des Reichsbanner-Ortsvereins Stuttgart gewählt.

Im selben Jahr gelang ihm der Einzug in den württembergischen Landtag, dem er bis 1931 angehörte. Im zweiten Anlauf wurde Schumacher 1930 schließlich in den Reichstag gewählt. Dort hielt er nur eine einzige Rede, nämlich am 23. Februar 1932: Nachdem der Nationalsozialist Joseph Goebbels in seiner Rede die SPD als „Partei der Deserteure“ diffamierte, warf der kriegsversehrte Schumacher – er verlor infolge seiner Teilnahme als Kriegsfreiwilliger am Ersten Weltkrieg seinen rechten Arm – den Nationalsozialisten in einer spontan gehaltenen Rede entgegen, dass „die ganze nationalsozialistische Agitation ein dauernder Appell an den inneren Schweinehund im Menschen“ sei. Für diesen mit starkem Beifall bedachten und noch heute bekannten Auftritt erwarb er sich allseitigen Respekt.

Anders als die meisten führenden Sozialdemokraten ging Schumacher nach Hitlers Machtergreifung nicht ins Exil. So wurde er 1933 verhaftet und verbrachte mehr als zehn Jahre in Konzentrationslagen. Dort riskierte Schumacher mehrmals sein Leben, indem er sich fortlaufend widersetzte und sogar in den Hungerstreik trat. Während dieser Zeit soll der stets für die Freiheit kämpfende Mann den Kontakt zu seinen kommunistischen Mitgefangenen gemieden haben, die er für den Untergang der Weimarer Republik mitverantwortlich machte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete Schumacher die neue SPD mit, deren erster Vorsitzender er wurde. Als Parlamentarier der ersten Stunde wirkte er an der Schaffung der Grundlagen unseres heutigen Gemeinwesens mit. Sein rhetorisches Talent, im Deutschen Bundestag und anderswo, waren gleichermaßen berühmt wie gefürchtet. Mit Fug und Recht zählt Kurt Schumacher neben Konrad Adenauer und Theodor Heuss zu den Gründungsvätern der Bundesrepublik Deutschland. Von den Spätfolgen seiner langen Haftzeit gekennzeichnet, starb Schumacher 56-jährig am 20. August 1952 in Bonn. An seinem Ehrengrab in seiner Heimatstadt Hannover wird sein Andenken wach gehalten. Möge er unvergessen bleiben.